Eigentlich gilt ja Beton als solide, fest und stabil. Doch immer wieder kommt es vor, dass betonierte Gebäude einstürzen, weil sich zuvor im Beton Risse gebildet haben und die Bausubstanz porös geworden ist. Doch damit könnte bald Schluss sein. In den Niederlanden haben findige Wissenschaftler einen Bio-Beton entwickelt, der sich selbst repariert.
Der Mikro-Biologe Henk Jonkers, Erfinder eines neuartigen Bio-Betons, muss nur sein Labor verlassen, um an der niederländischen Universität Delft jede Menge Beispiele für brüchigen, rissigen und mürben Beton zu finden. Es sind meist Schäden, die bei herkömmlichem Beton schon nach 20 bis 30 Jahren auftreten können. "Das Problem mit herkömmlichem Beton: Durch kleine Risse dringt Wasser ein. Das Wasser kommt in Kontakt mit dem Stahlgerüst, welches dann zu rosten beginnt. Nach und nach brökeln immer mehr Betonteile vom Gebäude ab. Bauten aus solchem Beton müssen ständig gewartet und repariert werden, sonst gibt es Sicherheitsprobleme bis hin zur Gefahr des Einsturzes", erklärt Jonkers.
Um solche Schäden und auch die ständige intensive Wartung von Beton-Gebäuden zu vermeiden, hat Henk Jonkers einen Bio-Beton erfunden, der sich quasi selbst repariert und zwar mit Hilfe von speziellen Bakterien, die dem Betongemisch beigefügt werden. Im normalen Beton sind viel Sand und Steine enthalten. Im Bio-Beton wurde dagegen ein Teil der Steine durch ein poröses Material ersetzt, durch dunkles Granulat. In dem Granulat sind die Bakterien und auch Nahrung für die Bakterien enthalten.
Die speziellen Bakterien sind Hitze- und Kälte-resistent und können etwa 200 Jahre lang im Beton überleben - die meiste Zeit im Schlafzustand. Sobald ein Riss im Material entsteht und Wasser eindringt, werden die schlafenden Bakterien wach und aktiv. Sie fressen ihr im Betongemisch beigefügtes Futter und scheiden dann Kalkstein-Kalzium-Carbonat aus, welches den Riss kittet und wieder wasserdicht macht.
Unter dem Mikroskop ist der Selbstheilungsprozess des Bio-Betons deutlich zu erkennen: "Hier sieht man ganz deutlich den Riss im Beton und sogar ein grosses Loch - das ist vor dem Wiederherstellungs-Prozess. Danach sieht man: Riss und Loch sind komplett geschlossen durch das Kalkstein-Kalzium-Carbonat, das die Bakterien ausgeschieden haben. Um einen solchen Riss zu kitten, brauchen die Bakterien etwa zwei Tage", zeigt Jonkers.
Die Erfindung von Henk Jonkers und seinem Team an der Uni Delft hält allen Laborprüfungen stand. Doch bis dieser Bio-Beton auf den Markt kommt, wird es noch etwa fünf bis zehn Jahre dauern. Denn die Forscher müssen erst beweisen, dass ihr Beton auch in der Praxis funktioniert - und zwar ohne Risiko und Nebenwirkung.