Bernd Hontschik heilt in seiner Frankfurter Praxis schon seit Jahrzehnten nicht nur Knochenbrüche. Der Chirurg setzt sich für ein gutes Verhältnis zwischen Arzt und Patient ein, wirbt in Kolumnen und Büchern für Humane Medizin und kritisiert das aktuelle Gesundheitssystem.
Hontschik geht es darum, den Patienten zu verstehen - dann lasse sich auch das akute Problem leichter behandeln "Lieber einmal richtig zuhören", lautet seine Devise. Das sei viel besser für die Diagnose, als schnell eine Lösung zu präsentieren, bei der sich der Patient unverstanden fühle und bald schon wiederkomme.
Hontschik liebt seinen Arzt-Beruf und hat dessen Entwicklung über die Jahre kritisch beobachtet. In seinen Augen geht es mit der Medizin im neuen Gesundheitssystem immer mehr bergab. Die Sozialsysteme würden zerstört, die Solidarität verschwinde.
Hontschik hält die jüngsten Reformen im Gesundheitswesen für eine Fehlentwicklung. Mechanismen würden verzerrt: Wo Wettbewerb nötig sei, etwa in der Zusammenarbeit mit der Pharmaindustrie, gebe es ihn nicht. Dort, wo er nicht hingehöre, wie in das Verhältnis zwischen dem Arzt und Patient, werde er aufgebaut. Krankenhäuser werden privatisiert und die Investoren erwarten hohe Rendite. Die Medizin werde zur Ware, der Patient zum Kunden. Das Geld für die Rendite werde jedoch dem Gesundheitssystem entzogen und fehle dort etwa für Behandlungen.
Mit Kolumnen, Büchern und Vorträgen macht Hontschik auf die Misstände aufmerksam, die seiner Meinung nach nur die Ärzte auch wieder ändern könnten. Die Patienten selbst seien viel zu schwach.
In seinem neuen Buch "Herzenssachen - so schön kann Medizin sein" entlarvt er Lügen im System - wie die von der Kostenexplosion, der gestiegenen Kosten im Gesundheitssystem durch Überalterung oder der Notwendigkeit höherer Pharmakosten. Letztere sind auch deshalb gestiegen, weil große Summen für die Werbung ausgegeben werden.
Deshalb ist Hontschik auch Mitglied bei Mezis - der kritischen Ärztevereinigung "Mein Essen zahl ich selbst". Sie wehrt sich gegen Methoden der Pharmaindustrie und will sich nicht von ihr abhängig machen. In seine Praxis lässt er keine Pharmaberater hinein, kostenlose Arzneimittelmuster oder Gratiseinladungen zu Kongressen schickt er zurück. Über Neuigkeiten in der Medizin informiert er sich aus unabhängigen Fachquellen. Zudem ist Hontschik Mitglied der Uexküll-Akademie für integrierte Medizin.
"Herzenssachen: So schön kann Medizin sein" von Bernd Hontschik
Verlag Weissbooks, 2009, gebunden
EAN: 978-3940888037, 130 Seiten